
Wirtschaftsexperten warnen vor Euro-Absturz
Europa versinkt in der Schuldenkrise - mit möglicherweise dramatischen Folgen für den Euro. Manager und Ökonomen fürchten einen rapiden Wertverlust der Gemeinschaftswährung. In Deutschland steigt bereits die Angst vor einer Inflation.
Berlin/Hamburg - Unmittelbar vor dem Sondergipfel der EU-Finanzminister zur Stabilisierung des Euros an diesem Sonntag haben führende Wirtschaftsexperten vor einem weiteren Verfall des Euro gewarnt. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Solange die Unsicherheit über Griechenland und andere Länder am Rand der Währungsunion andauert, bleibt der Euro unter Druck." Mayer sagte weiter: "Ich denke, wir werden bald 1,20 gegenüber dem Dollar sehen und ein weiterer Rückgang in Richtung Parität zum Dollar ist durchaus möglich."
Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender des Einzelhandelskonzerns Metro, warnte vor negativen Folgen für den Arbeitsmarkt: "Ein langfristig schwacher Euro kann den wirtschaftlichen Zusammenhalt Europas und damit die begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft aufs Spiel setzen. Das kann sich letztlich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken und Arbeitsplätze gefährden."
Eine Meinung, die allerdings nicht von allen geteilt wird. So erwartet Michael Hüther, Leiter des arbeitgebernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, eher positive Impulse: "Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich ungetrübt von der Situation in Griechenland. Als indirekte Folge der Abwertung der Staatsanleihen gewinnen Unternehmensanleihen an Attraktivität, was sich positiv auf die Unternehmen und im besten Fall auch auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte."
Schuldenbremse gegen künftige Krisen
Gleichwohl bleibt es die vornehmste Aufgabe, die überbordende Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Nach SPIEGEL-Informationen sollen Spanien und Portugal nach dem Willen von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) jetzt zusätzliche Sparmaßnahmen ergreifen, um die Finanzmärkte von weiteren Spekulationen gegen beide Länder abzuhalten. "Es ist klar, dass diese Länder Zusätzliches leisten müssen, um die Unsicherheit und das Misstrauen der Märkte zu beseitigen", sagt EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark.
